Freitag, 2. März 2012

Mein neues Forschungsprojekt zur jemenitischen "Revolution"

... durfte ich bereits vergangenes Wochenende auf der von der Universität Leipzig im Auftrag der VolkswagenStiftung organisierten Konferenz zum Arabischen Frühling vorstellen. Der Deutschlandfunk brachte hierzu ein Feature, in welchem auch das von der VolkswagenStiftung finanzierte Jemen-Projekt zur Sprache kam. Start des Projekts, welches in der Islamwissenschaft an der Universität Bonn angesiedelt ist, ist August 2012. Hier ein Ausschnitt aus dem Feature von Bettina Mittelstraß, der gesamte Text findet sich hier.

photography by Abdulrahman H. Jaber

"Für die Forschung geht es darum, diesen Prozess zu verstehen, indem man ihn begleitet und dokumentiert. Auch im Jemen ist die Neuverhandlung von Interessen oder Macht zwischen den gesellschaftlichen Gruppen nicht abgeschlossen. In der Hauptstadt Sanaa auf dem Platz des Wandels ist eine Zeltstadt entstanden. Dort trifft sich, wer zuvor noch nie auf die Idee kam, miteinander zu kommunizieren, sagt die Islamwissenschaftlerin Marie-Christine Heinze:

"Wir sehen, dass aus diesem Platz des Wandels praktisch ein Marktplatz der Ideen geworden ist. Ein Marktplatz von Debatten und Ideen und Ideologien und ein wirklich permanenter Austausch und eine permanente Diskussion. Es gibt Zelte wie das akademische Zelt oder das Medienzelt, wo die Leute zusammenkommen und Vorträge hören und debattieren oder sich einfach auch auf der Straße selbst austauschen und diskutieren. Es gibt Jugendgruppen, die sich dort gegründet haben von Jugendlichen, die sich vorher eigentlich noch nie gemeinsam irgendwas organisiert haben oder organisiert waren, die jetzt eigene Zeitungen herausgeben, die nur auf dem Platz des Wandels produziert und verteilt werden, um dort die Diskussion zu beeinflussen."

Das am Institut für Orient- und Asienforschung der Universität Bonn angesiedelte Projekt verfolgt gemeinsam mit dem unabhängigen Meinungsforschungsinstitut Yemen Polling Center, wie diese Gruppen auf die politischen Ereignisse reagierten und reagieren - die Ausreise des Präsidenten nach Saudi Arabien, seine Rückkehr, die Wahlen, die Erarbeitung der neuen Verfassung. Marie-Christine Heinze:

"Wie argumentieren sie? Und wie verändern sich die Ideen, die sie haben, und bestimmte Schlagwörter, die wir immer wieder hören, wie Demokratie, Freiheit, ziviler Staat. Wie verändern sich diese Begriffe und Ideen im Laufe dieser Debatte und des Abgrenzungsprozesses der verschiedenen Gruppen untereinander?"

Der Bedarf an Antworten auf diese Fragen ist enorm. Zur Konferenz, die die Volkswagenstiftung an der Universität Leipzig organisierte, kamen 140 Wissenschaftler - beinahe doppelt so viele wie geplant, etwa 50 davon aus nordafrikanischen und arabischen Ländern."

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